Sturm und Drang

26. März 2009

 

Die Epoche des Sturm und Drang stellt eine geistige Bewegung in Deutschland innerhalb der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts dar.

 

Benannt wurde diese Zeit nach dem gleichnamigen Drama von Friedrich Maximilian Klinger, wobei der ursprüngliche Titel “Wirrwarr” lautete und das Drama später durch Christoph Kaufmann umbenannt wurde.

Der Sturm und Drang stellt das Gegenprogramm zur Aufklärung dar und wird häufig auch Geniezeit genannt.

 

Die Protestbewegung wurde zum größten Teil von 20- bis 30-Jährigen Menschen aus dem Mittel- und Kleinbürgertum unterstützt.

Diese Stürmer und Dränger waren vor allem gegen die Einseitigkeit der Aufklärung, die Gesellschaftsordnung (mit den Standesschranken), das bürgerliche Berufsleben und die bürgerlichen Moralvorstellungen und die veralteten Konventionen in der Kunst und der Literatur.

 

 

Die Stürmer und Dränger hatten eine neue Auffassung der Natur. Die Natur war für sie etwas Ursprüngliches, Göttliches und der Inbegriff alles Lebendigen und Schöpferischen. Außerdem entstand der Begriff des Genies. Das Genie war ein großes, unabhängiges Individuum, welches nur seinen eigenen Regeln folgt.

 

 

Zentrale Merkmale des Sturm und Drang sind zum Beispiel Hyperbeln, Neologismen, Inversionen, Ellipsen, der Wortschatz der Empfindsamkeit (z.B. Herz, Wonne), freie Rhythmen, tragische und komische Elemente in einem Stück und die Missbilligung der alten Konventionen (Ständeklausel, keine Einheit von Ort, Zeit und Handlung). Aber auch die Gefühlsbetontheit, die Gesellschaftskritik und die Naturvergötterung, welche in den literarischen Stücken dieser Zeit thematisiert werden, stellen Kennzeichen der Epoche dar und sind auch im Werther zu finden.

Es wurden während dieser Epoche bevorzugt Dramen verfasst.

 

 

Die Stürmer und Dränger hatten zunächst Shakespeare als Vorbild. Später kamen aber auch andere wie Homer, Pindar, Klopstock und der junge Goethe hinzu.

 

 

Die meisten Autoren des Sturm und Drang konnten nicht von der Literatur leben, da die soziale Resonanz fehlte. Deshalb suchten sie sich häufig Stellen als Hauslehrer, Beamter oder Pfarrer um sich abzusichern.

 

Der einzige große Erfolg dieser Zeit war Goethes “Die Leiden des jungen Werthers”. Nach der Veröffentlichung des Buches, gab es viel Kritik am Buch und an Goethe, weil sehr viele Leser, die dachten sie würden sich in einer ausweglosen Situation befinden, sich auf die gleiche Art und Weise umbrachten wie Werther.

 

 

Politisch hat die Bewegung nichts verändert. Die Epoche des Sturm und Drang gab jedoch geistige Impulse, welche für spätere Epochen eine Rolle spielen.

 

 

Die Abgrenzung des Sturm und Drang zur Aufklärung und zur Empfindsamkeit ist nicht einfach, da die Epochen sich gegenseitig beeinflussen. Der Sturm und Drang wird oft auch als eine Erweiterung der Aufklärung angesehen, da Ideen der Aufklärer teilweise radikalisiert wurden. Es gibt jedoch auch unterschiede zwischen den beiden Epochen. Während die Aufklärer für eine reine Verstandeskultur waren, lehnten die Stürmer und Dränger dies ab und waren für ein gefühlsbetontes Denken und Handeln.

 

 

 

Sturm und Drang im Werther

Der Einfluss des Sturm und Drang macht sich im Werther durch die Gefühlsbetontheit und die überschwänglichen Formulierungen bemerkbar.

Auch thematisch kann man Werther in diese Epoche einordnen, da es um die Liebe geht und auch Gesellschaftskritik geübt wird. Außerdem wird die Natur sehr detailliert beschrieben, was die Naturvergötterung verdeutlicht.

 

 

 

Einige Autoren und ihre wichtigsten Werke aus dem Sturm und Drang:

Johann Gottfried Herder (1744-1803)

  • Journal meiner Reise im Jahre 1769
  • Abhandlungen über den Ursprung der Sprache 1770
  • Volkslieder 1778/79
  • Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1748/91

Gottfried August Bürger (1747-1794)

  • Lenore 1773
  • Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen 1774

Heinrich Leopold Wagner (1747-1779)

  • Die Kindermörderin 1776 (Drama)

Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792)

  • Anmerkung über das Theater nebst angehängtem übersetzten Stück Shakespeares 1774
  • Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung 1774 (Drama)
  • Die Soldaten 1776 (Drama)

Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831)

  • Das leidende Weib 1775
  • Sturm und Drang 1776 (Drama) (ursprünglicher Titel: „Wirrwarr“
  • Die Zwillinge 1776 (Drama)

Friedrich Schiller (1759-1805)

  • Die Räuber 1781 (Drama)
  • Kabale und Liebe 1784 (Drama)

 

Und nun noch einige wichtige Werke Goethes aus der Zeit des Sturm und Drang:

Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

  • Zum Shakespeares Tag (Rede) 1771
  • Sesenheimer Lieder 1770/71
  • Willkommen und Abschied 1771
  • Prometheus 1772-1774
  • Ganymed 1774
  • Götz von Berlichingen (Drama) 1773
  • Die Leiden des jungen Werthers (Briefroman) 1774
  • Gedichte der Straßburger und Frankfurter Zeit 1775
About these ads

11 Antworten to “Sturm und Drang”

  1. Nebelspinne Sagt:

    + übersichtliche Abarbeitung der verschiedenen
    Aspekte
    + sprachlich gut
    + inhaltlich gut, lakonisch und eingängig

    - gelegentlich etwas allgemein gehalten:
    *welche geistigen Impulse gab die Epoche?
    *Bezug zu Religion im Kontext der Naturwahrnehmung
    - Abgrenzung der Epoche von der Aufklärung ist doch
    eigentlich möglich?

  2. frautammesfanclub Sagt:

    (+) Es wurde eine einfach und sehr verständliche Sprache gewählt, die aber das Thema nicht entfremdete.

    (-/+) An wenigen Stellen ist der Text ein wenig lang geraten, vorallem bei nebensächlichen Dingen. Trotzdem ist ein langer, aber guter Text!

    (-) Wesentliche Merkmale des Sturm und Drangs hätte man oder auch Aussagen hätte man noch verdeutlichen können, z.B. durch sichtbare Absätze.

    (+) Die Verbindung zum Werther ist sehr gut gelungen und bei unserem Thema daher auch sehr wichtig.

    (+) Sehr gute Struktur und fließende Übergänge.

  3. joana91 Sagt:

    + guter Aufbau

    + interresant und sehr wichtig ist die Resonanz auf das Buch zu der Zeit der Veröffentlichung

    - Absätze einfügen

    - Inwiefern ist der Sturm und Drang eine Erweiterung der Aufklärung? Stürmer und Dränger waren doch gegen die Einseitigkeit der Aufklärung, oder? War es dann nicht vielleicht eher eine Revolution

  4. ramoenchen Sagt:

    + wichtige Informationen gut verarbeitet
    - Absätze zu verdeutlichung

  5. ani1991 Sagt:

    Ich habe meine Text ein wenig bearbeitet. :)
    Die Absätze waren leider nach dem Einfügen des urspünglichen Textes nicht mehr gut zu sehen. Habe sie nun deutlicher gemacht.

    Nebelspinne, ich weiß leider nicht genau, was du mit “*Bezug zu Religion im Kontext der Naturwahrnehmung” meinst. Wäre nett, wenn du mir das erläutern könntest.

    frautammesfanclub irgendwelche Vorschläge, wo genau ich den Text kürzen soll?

    joana91, ich habe deine Frage in meinem überarbeiteten Text aufgegriffen. Du hast Recht, die Stürmer und Dränger waren gegen die Einseitigkeit der Aufklärung, jedoch haben sie auch Ideen der Aufklärer aufgenommen und diese radikalisiert. Man sollte aber bedenken, dass die Stürmer und Dränger eher auf Gefühl bedacht waren und die Aufklärer auf die Vernunft. ;)

  6. superseppel13 Sagt:

    Insgesamt ein flüssiger, informativer und auch gut strucktrierter Text, wobei ich persönlich die Literaturbeispiele für nebensächlich halte und sie daher meiner Meinung nach zu viel Raum einnehmen. (Vielleicht hätte ja ein Verweis auf eine andere Internetseite mit ausführlicher Literaturliste ausgereicht.)
    Außerdem finde ich, man hätte noch etwas genauer auf Merkmale des SuD im Buch eingehen können.

    • ani1991 Sagt:

      supperseppel13, die Literaturbeispiele sollte ich laut meiner Lehrerin nennen. Ich gebe zu, dass sie vielleicht etwas zu lang sind und ich stattdessen möglicherweise lieber einen Link einfügen hätte sollen. Bei Bedarf kann ich das ja noch ändern. ;)
      Auf die Merkmale des Sturm und Drang sollte ich nicht so genau eingehen, da es mitunter Aufgabe anderer Kursteilnehmer war, welche den Inhalt zusammenfassen sollten.

  7. vt2009 Sagt:

    Damit ani1991 sich nicht weiter rechtfertigen muss, mische ich mich ein und sage, dass die Schilderung des Arbeitsauftrages voll dem gestellten entspricht.

  8. vt2009 Sagt:

    zur Strukturierung: Sollten nicht die Ideen des Sturm und Drang vor seinen sprachlichen Umsetzungen stehen?
    Du widersprichst dir, wenn du im Textverlauf behauptest, dass sich die Epochen nicht abgrenzen lassen, vorher aber sagst, dass der Sturm und Drang das Gegenprogramm zur Aufklärung darstellt. Inwiefern denn? Der Geniebegriff muss erklärt werden, ebenso wie andere Ideen zwar genannt werden, aber ohne richtige Erklärung bleiben. Da wir uns heute unter vielen Begriffen etwas anderes vorstellen, als das zur Zeit des Sturm und Drang der Fall war, scheint mir hier mehr Genauigkeit erforderlich.

  9. Tobi Sagt:

    Als wir in der Schule es uns aufgeschrieben hatten, habe ich nur “Bahnhof” verstanden. Hier ist es super erklärt und ich habe es jetzt verstanden.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: